Jacquard

Dank einer wunderbaren Führung durch die uralte Weberei Luigi Bevilacqua, konnte ich einige unvergessliche Aufnahmen zu Jacquard Webstühlen machen.

Joseph-Marie Jacquard wurde am 7. Juli, 1752 in Lyon, Frankreich geboren, sein Vater war Weber. Nach dessen Tod erbte er die Werkstatt und versuchte durch technische Innovationen eine schnellere Erzeugung von Stoffen herbeizuführen. Durch die Französische Revolution wurde seine Arbeit für fast zehn Jahre unterbrochen. Doch es gelang ihm finanzkräftige Investoren für seine Entwicklungen gewinnen. Seine Arbeit wurde sogar von Napoleon gewürdigt und verschaffte ihm Zugang zum Konservatorium für Kunst und Gewerbe in Paris. Geschichte ist der Ablauf von zufälligen und herbeigeführten Ereignissen. Auch hier hat der Zufall seine Hand im Spiel. Jacquard konnte eine zerlegte, nicht vollständige Webmaschine rekonstruieren. Möglicherweise war es eine Maschine von Jacques Vaucanson, der 1745 aus den Erfindungen von Basile Bouchon 1725 und Jean Baptiste Falcon die Automatisation des Webens vorantrieb. Mit ein paar zusätzlichen Modifikationen schaffte er den Durchbruch. Man kann mit Recht sagen, es ist der Beginn der Digitalsteuerung. 1810 erhielt Jacquard das Kreuz der Ehrenlegion. Am 7. August 1834 starb er.
Hier ein Beispiel von einem Lochkartenprogramm, welches bei Webstühlen eingesetzt werden kann. 

Damit ist implizit schon sehr viel ausgesagt. Ein Programm kann ausgetauscht werden, es ist nicht fest verdrahtet. 
Programme sind auch gespeicherte Informationen.


L1084 Teil eines Lochkartenprogramms ist die einzelne Lochkarte, hier bin ich glücklicher Eigentümer von mehreren ausgedienten Karten geworden.

Neben einem Programmierer musste es nun auch Lochkartenstanzer geben.

Oben wurde die Lochkarte eingelegt. Anschließend legt man die untere Platte darüber und stanzte mit einem Werkzeug das gewünschte Muster. Wichtig ist es die Lochkarte zu nummerieren, denn sie mussten über ein festes Seil miteinander verbunden werden. Die eingesetzten Lochkarten sind sehr viel stabiler als die Computerlochkarten.

In den Webstuhl wurde nun das Programm eingehängt.

Über spezielle Rollen wurden die Lochkarten bewegt. Hier ein paar ausgediente Teile.

Dann war es nunmehr notwendig mit Nadeln die Lochkarten abzutasten. Hier kann man natürlich nicht sagen Loch = 1 und kein Loch = 0, hier bedeutet es Fadenhebung oder -senkung.

Man sollte jetzt nicht denken, damit kann die Maschine selbstständig arbeiten.
Erst einmal müssen unzählige Garnrollen eingesetzt werden. Ein Weber konnte dann mit vier Bewegungen eine einzige Reihe im Stoff herstellen, natürlich mit dem vorgegebenen Muster. 

Aus Charles Babbage and his calculating engines Science Museum 1991
PORTRÄT VON J. M. JACQUARD, GEWEBT IN SEIDE, ca. 1839


Dieses Porträt wurde mit einem Jacquard-Webstuhl gewebt, der durch Lochkarten gesteuert wurde. Die in einer bestimmten Reihenfolge aneinandergereihten Karten bestimmten das Webmuster. Links hinter der sitzenden Figur ist ein kleines Modell eines Jacquard-Webstuhls zu sehen. Das Lochkartensystem für Babbages Analytische Maschine stammt von einem Webstuhl dieser Art. Babbage zeigte Prinz Albert 1842 eine Kopie des Porträts, die in seinem Wohnzimmer hing. Das Porträt wurde von der Firma Didier Petit et Cie, Lyon, angefertigt; das Original-Ölgemälde stammt von Claude Bonnefond.


Größe: 51 × 36 cm


1942-59

Aus Charles Babbage and his calculating engines Science Museum 1991
LOCHKARTEN FÜR DIE ANALYTISCHE MASCHINE


Anweisungen und Daten wurden mithilfe von Lochkarten in die Analytische Maschine eingegeben. In Babbages Entwurf für den Kartenleser wurden die perforierten Karten auf einen Satz von Stäben gepresst. Wo sich Löcher befanden, stachen die Stäbe durch die Karte und blieben unbewegt; Stäbe gegenüber abgedeckten Lochpositionen wurden aktiviert. Die kleineren Karten sind Operationskarten. Diese gaben die durchzuführenden arithmetischen Operationen an. Die größeren Karten sind Variablenkarten. Diese legten die „Adressen“ der Spalten im Speicher fest, in denen die zu bearbeitenden Zahlen zu finden und die Ergebnisse zu platzieren waren.
Größe: 13 × 5,5 cm, 18,5 × 7,0 cm.


1905-181pt